Die ganztägige Tagung am 26. April 2014 widmete sich den Schwerpunkten Philosophischer Praxis sowie ihren Methoden und Potentialen im gesellschaftlichen Bereich.
Dabei wurde gezeigt, dass die Philosophische Praxis, anstatt in Konkurrenz u.a. zu Psychotherapie und Lebens- und Sozialberatung zu stehen, deren sinnvolle Ergänzung ist.

Die Tagung wurde durch ein Philosophisches Frühstück eingeleitet, währenddessen nicht nur rege Diskussion entstand, sondern auch Fragen für den Workshop am Nachmittag gesammelt wurden.

Lisz Hirn: Eröffnung

Wir konnten ein vermehrtes Interesse an Philosophie, an der Philosophischen Praxis feststellen, gepaart allerdings mit der Frage, was denn das eigentlich sei? Was macht ein Philosophischer Praktiker? Was macht er anders als all die anderen Berater? Was hat der Philosoph und Praktiker mit den anderen beratenden und erziehenden Berufen gemein? Verantwortung. Verantwortung als philosophischer Praktiker zu übernehmen, heißt, Menschen nachhaltig  zu unterstützen, einen hochwertigen ethischen Standard zu etablieren und somit das Bewusstsein für konstruktive Werte zu schärfen wie Solidarität, Verlässlichkeit, Sicherheit, Nachhaltigkeit, fachliche Kompetenz, Hilfsbereitschaft, Qualitätssicherung, soziale Verträglichkeit. Schließlich geht es auch darum, den Dialog zwischen ganz unterschiedlich denkenden und lebenden Menschen zu fördern.

Anton Grabner-Haider: Plädoyer für Krit. Philosophie in der Philos. Praxis 

Die europäische Philosophie kennt viele Schulen und ebenso viele Disziplinen. Nicht alle davon sind in gleicher Weise für die philosophische Praxis/Beratung geeignet. Denn der Erfolg oder Misserfolg der Beratung hängt immer vom persönlichen und sozialen Nutzen des Klienten/der Klientin ab.Ziele der Phil. Beratung: Steigerung der rationalen Fähigkeiten; Verbesserung des Selbstwertgefühls; vernünftige Lösungen von persönlichen und von sozialen Lebensproblemen; Lernen von selbständigem und kritischem Denken; Einübung in autonome Lebensgestaltung; Lernen von sozialer Verantwortung; das positive Selbstbild verstärken; des positive Fremdbild stärken; Einüben von offener und gleichwertiger Kommunikation; Gefühle durch kognitive Vernunft klären und ordnen; Lernen due Versuch und Irrtum; Einüben von vernünftigen Entscheidungen; Aufdecken von Unvernunft und Demagogie; das Leben aktiv gestalten; politische Mitverantwortung übernehmen; die aufrechte Vernunft entfalten; Lernen von Toleranz des Fremden; Schutz vor Manipulation und Täuschung; Ringen um die allgemeinen Menschenrechte und Menschenpflichten; dem Leben einen Sinn geben; mit Grenzerfahrungen vernünftig umgehen.

Michael Noah Weiss: Philosophische Praxis – Beratung oder Weiterbildungsform?

Anhand eines Erfahrungsberichts über die Situation der Philosophischen Praxis Bewegung in Norwegen ist Michael Noah Weiss näher auf die Titelfrage eingegangen. Die Tatsache, dass bei Settings Philosophischer Praxis oft ethische Thematiken und Problemstellungen zum Zug kommen, legt die Vermutung nahe, dass es sich dabei um eine Form ethischer Bewusstseinsbildung handelt. Natürlich läßt sich nicht alles was sich Philosophische Praxis nennt darauf reduzieren. Aber schon alleine die Erfahrung, dass viele Menschen in die Philosophische Beratung kommen und bzgl. einer bestimmten Lebenssituation, mit der sie sich konfrontiert sehen, die Frage stellen „Was soll ich tun?“, läßt Bezüge zu Immanuel Kant erkennen. Auch das Streben nach einem besseren Leben vieler Gäste verweist auf die Nikomachische Ethik Aristoteles in welcher er das gute Leben als das höchste Ziel des Menschen beschreibt. Gäste, die in die Philosophische Praxis kommen – ob zum Einzelgespräch oder für Gruppendialoge – können hier gewissermaßen über ethische Themen, die sich in ihrem Alltag stellen lernen. Mit einer Umformulierung Philosophischer Praxis von der Beratung zur Bildungsform scheinen auch leichter Fördergelder lukrierbar zu sein, wie die Beispiele aus Norwegen zeigen. Weiters würde dadurch Philosophische Praxis nicht so sehr als Konkurrenz, sondern als Ergänzung zur Psychotherapie verstanden werden können.

Manfred Rühl:  Einblick in die „Philosophische Praxis: Wegbegleiter“

Der Vortrag erklärt philosophische Praxis nicht über Methoden oder Angebote, sondern beleuchtet die Haltung und Ausrichtung des praktischen Philosophen. Thematisiert wurde dabei die Möglichkeit der Seinsweise der Eigentlichkeit aus der Haltung des Nicht-Wissens, die Voraussetzung für Kontakt in der Empfänglichkeit des Hörens und die existentielle Begegnung als richtunggebendes Ziel im philosophischen Dialog.

Anschließend folgte ein Podiumsdiskussion, in der sich Rene Tichy, langjähriger und erfahrener philosophischer Praktiker der Praxis Verrückt nach Sokrates und der Vortragende Manfred Rühl der Praxis Wegbegleiter stellten sich unter der Moderation von Lisz Hirn den Fragen des Publikums.